Experten

Experten in eigener Sache sind Menschen, die psychische Erkrankung erfahren haben.

 

Experten in eigener Sache sollten

  • Freude an der Arbeit mit Jugendlichen haben.
  • offen für die Bedürfnisse der Jugendlichen sein.
  • die Schüler altersgemäß begleiten.
  • ein Stück Lebenslehrer sein.
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    Mit jungen Leuten zusammen zu arbeiten ist faszinierend

    Ich habe mir vorgestellt, die Mitarbeit beim Schulprojekt könnte gut werden. Aber, als ich beim Schulprojekt mitgemacht habe, sind alle meine Erwartungen im positiven Sinne übertroffen worden. Dass das Thema "Depression" Schüler so stark interessiert und berührt, hätte ich nie gedacht. Die Schüler haben nicht nur toll während des ganzen Schulprojektes mitgemacht, sondern auch unaufgefordert ihre Schicksale offenbart und Dinge berichtet, die mir als Expertin in eigener Sache ganz schön "unter die Haut gegangen" sind. Außerdem haben die Schüler schon Kenntnisse zu diesem Thema gehabt, die mich erstaunt haben. Als im letzten Teil des Schulprojektes die Expertinnen in eigener Sache ihr "Geheimnis" erzählt haben, haben die Schüler sehr engagiert Fragen gestellt. Anhand der Fragen konnte ich feststellen, das die Schüler sehr behutsam fragen und genau wissen, wie weit sie gehen können.

    Am meisten aber hat mich fasziniert, dass man mit jungen Leuten so gut zusammenarbeiten kann, auch wenn es um ein so schwieriges Thema geht. Das Schulprojekt hat mir ganz deutlich gezeigt, dass Schüler das Thema "Depression" für sehr wichtig halten. Entweder, weil sie direkt davon betroffen sind oder mehr über dieses Thema wissen wollen. Deshalb darf das Thema: "Seelische Gesundheitserziehung" in keiner Schule fehlen.

    Und noch etwas ist mir aufgefallen: Schüler sind viel offener als Erwachsene und haben nicht gleich Vorurteile gegenüber "Verrückten". Und ist es nicht eigentlich so, dass die Ansichten und Vorurteile von "normalen" Erwachsenen gegenüber psychisch Kranken "verrückt" sind? Denn Menschen mit Depressionen sind oft genauso "normal" wie "normale" Menschen.

    Katinka, Team Darmstadt

     

    Ich freu mich schon auf das nächste Schulprojekt!

    Mit meiner Teampartnerin Denise habe ich bisher zwei Projekte an Schulen durchgeführt. Wir zwei machten sogar den Start für Nordhessen. Natürlich war ich furchtbar aufgeregt. Als Moderatorin startete Denise mit dem 1.Teil direkt durch. Ich saß ihr im Stuhlkreis mit den Schülern gegenüber und war unheimlich stolz, wie sie so den schwierigen Einstieg meisterte! Im 2. Teil lockerte sich für mich die Anspannung nochmal- ich betreute die Arbeitsgruppen der Schüler relativ entspannt mit ihr zusammen. Natürlich immer noch wissend, dass MEIN PART noch vor mir liegt. Dann war ich dran... nach den ersten beiden Sätzen gings mir wieder gut. Ein paar Notizen hatte ich mir während des Vormittags  gemacht. Von Schülerseite war das Interesse jedes Mal unglaublich groß, und mir fällt es am leichtesten, sie Fragen stellen zu lassen. Ich sage, fragt mich alles, was ihr wissen wollt, seid offen und mutig, alle Fragen sind bei mir erlaubt. Es war jedes Mal sehr spannend. Und von Aufregung... nichts mehr zu spüren!! Die Schlussrunde war sehr bewegend, denn die Schüler waren immer sehr erstaunt über so viel Mut und Offenheit meinerseits. Sie sind gerade an dieser Stelle sehr sensibel und es fällt auf, wie sehr sie selbst Offenheit brauchen, von Expertenseite im Projekt, aber auch Offenheit von Lehrern für ihre Anliegen und einen guten Rahmen für eigene Offenheit, ohne sich minderwertig fühlen zu müssen Mit sehr viel Anerkennung bin gerade ich als die Expertin an den Schulprojekttagen bedacht worden und sehr zufrieden wieder zuhause angekommen. Schön müde und mit guten Gedanken konnte ich dann erst einmal  mein Bett aufsuchen. Die Aufregung wurde belohnt und bis zum nächsten Projekt... ein bisschen Pause.

    Annette Jacob, Team Kassel

     

    „Verrückt? Na und!“ - Jugendlichen Mut und Hoffnung machen

    Wie geht’s? Ich bin Frank Maczulaitis, der junge Mann auf dem Foto. Entstanden ist es in einer Schule in Dresden. Dort waren wir mit unserem Schulprojekt „Verrückt? Na und!“. Seit 2001 gehen wir vom Verein Irrsinnig Menschlich zu Schülern und reden mit ihnen darüber, was sie tun können, wenn sie seelische Probleme haben. Die Mädchen und Jungen wollen uns oft gar nicht wieder gehen lassen, weil sie mit uns über Sachen sprechen können, die sie sonst eher verschweigen. Zum Beispiel Anna: Die fühlte sich in ihrer Klasse einsam. Als wir da waren, fasste sie sich ein Herz und sagte es ihren Mitschülern. Oder Eric: Er erzählte von seiner Mutter, die seit Jahren unter Depressionen leidet. Aus Scham darüber hat er noch nie Freunde zu sich nach Hause eingeladen. Die Mitschüler waren sprachlos. Erwachsenwerden ist kein Kinderspiel! Was tun, wenn die Seele überläuft? Als 22-Jähriger bin ich selbst psychisch krank geworden. Eine manisch-depressive Störung haben die Ärzte festgestellt. Ich wusste damals gar nicht, was das ist. Und dass ich irgendwann in der Psychiatrie „lande“, hätte ich niemals gedacht. Ich doch nicht! Damals dachte ich, das war´s. Inzwischen sind einige Jahre vergangen. Ich habe wieder ein gutes Leben, aber auf mich aufpassen muss ich wahrscheinlich immer. Oft denke ich, wenn ich schon in der Schule erfahren hätte, dass jeder Mensch auch psychisch krank werden kann, dass das keine Schande ist und dass es dafür Hilfe gibt, dann wäre die Diagnose „psychisch krank“ nicht so ein Schock für mich gewesen. Deshalb schwöre ich auf unser Schulprojekt und bin wirklich stolz, dass ich da mitmache und den Jugendlichen mit meiner Lebenserfahrung dienen kann. Und noch eins: Als ich krank wurde, hatte ich manchmal Suizidgedanken. Darüber erzähle ich auch den Schülern. Viele Jugendliche und auch Erwachsene denken ja, wer psychisch krank ist, der ist verloren, der hat keine Chance mehr im Leben, der kann sich gleich umbringen. Ich finde, so eine Meinung ist schlimm, ja gefährlich für einen Menschen, dem es eh schon total schlecht geht. Deshalb möchte ich den Jugendlichen im Schulprojekt Mut machen, darüber zu sprechen, sich Hilfe zu holen und ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen.

    Frank Maczulaitis, Team Leipzig